{"id":865,"date":"2021-04-19T16:17:18","date_gmt":"2021-04-19T14:17:18","guid":{"rendered":"https:\/\/nachhaltig-wirtschaften-mitteldeutschland.de\/?p=865"},"modified":"2021-04-20T15:46:17","modified_gmt":"2021-04-20T13:46:17","slug":"workshop-steigerung-der-biodiversitaet-in-der-landschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachhaltig-wirtschaften-mitteldeutschland.de\/startseite\/workshop-steigerung-der-biodiversitaet-in-der-landschaft\/","title":{"rendered":"Workshop &#8222;Steigerung der Biodiversit\u00e4t in der Landschaft&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_866\" aria-describedby=\"caption-attachment-866\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-866 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/nachhaltig-wirtschaften-mitteldeutschland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/1-366-150x150.jpg\" alt=\"Biodiversit\u00e4t-Sandra Dullau\" width=\"150\" height=\"150\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-866\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Sandra Dullau<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Biodiversit\u00e4t ist eine wichtige Grundlage f\u00fcr stabile \u00d6kosysteme und deren lebenswichtigen Dienstleistungen. Insbesondere die trockenen Sommer der vergangenen Jahre zeigten auf, wie gef\u00e4hrdet der Boden, die Insektenvielfalt, B\u00e4ume und die Nahrungs- und Futtermittelproduktion in unserer Region sind, um nur einige Beispiele zu nennen.<\/p>\n<p>Zu unserem Online-Workshop hatten wir dazu Vertreter verschiedener regionaler Akteursgruppen eingeladen: Landwirte (\u00f6kologisch &amp; konventionell), Lebensmittelhersteller, Startups, Wirtschaftsf\u00f6rderer (regional, Kultur-&amp; Kreativ), sowie Wissenschaftler (Hochschulen, Universit\u00e4t, Forschungsinstitute), Vertreter aus der Verwaltung (\u00c4mter f\u00fcr Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten &#8211; ALFF, dem Ministerium f\u00fcr Umwelt, Landwirtschaft und Energie &#8211; MULE) und die Zivilgesellschaft (aus \u00a0Landschaftspflege und Naturschutz, Entwicklungspolitik sowie Bildung).<\/p>\n<p>Unsere Leitfrage ist: <strong>Was kann getan werden, um Biodiversit\u00e4t zu f\u00f6rdern und allen Interessensgruppen ein gutes Auskommen zu sichern?<\/strong> Ziel ist die Etablierung einer Workshopreihe, um praktikable Ans\u00e4tze zur Steigerung der Biodiversit\u00e4t herauszuarbeiten und zur Umsetzung zu bringen.<\/p>\n<p>Im Auftaktworkshop am 11. M\u00e4rz 2021 ging es zun\u00e4chst einmal um das gegenseitige Kennenlernen der Akteure, den Informationsaustausch sowie die Sammlung erster Ideen. Basierend auf einer wissenschaftlichen Studie des Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Umweltforschung wurde im Impulsvortrag von Jenny Schmidt (CoKnow Consulting) aufgef\u00fchrt, dass Schutzgebiete f\u00fcr den Erhalt der Biodiversit\u00e4t nicht ausreichen, es m\u00fcsse ein Schutz in der breiten Fl\u00e4che gew\u00e4hrleistet werden. Nur so k\u00f6nnten Arten erhalten werden, die an unsere Kulturlandschaft angepasst sind. Als Akteure, die insbesondere die Biodiversit\u00e4t beeinflussen, wurden auf regionaler Ebene Landwirte, das MULE, Landschaftspflegeverb\u00e4nde und die ALFFs benannt. Lokal relevant sind laut Studie neben den Landwirten und ALFFS auch Fachmedien, Fl\u00e4cheneigent\u00fcmer und Gemeinden. Hinzu k\u00e4men die \u00d6ffentlichkeit, Naturschutzverb\u00e4nde und landwirtschaftliche Berater. M\u00f6glichkeiten zur F\u00f6rderung der Biodiversit\u00e4t sieht sie im kooperativen Ansatz (holl\u00e4ndisches Modell), in kulturellen und sozialen Aspekten sowie in praktikablen Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Benjamin Wolf vom \u00f6kologisch wirtschaftenden Naturgut Etzdorf zeigte diverse biodiversit\u00e4ts- und gleichzeitig landwirtschaftsf\u00f6rdernde Ma\u00dfnahmen auf, von bl\u00fchenden Zwischenfr\u00fcchten, Agroforst bis hin zur mobilen H\u00fchnerhaltung. Der rechtliche Rahmen sei allerdings schwierig. Als Landwirt w\u00fcnschten sie sich eine bessere Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber das eigene Handeln und die Auswahl der Anpflanzungen, bisher drohe sonst der Verlust des Ackerstatus und damit der Zugang zu den EU-Landwirtschafts-Subventionen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_867\" aria-describedby=\"caption-attachment-867\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-867 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/nachhaltig-wirtschaften-mitteldeutschland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/DSC_0064-150x150.jpg\" alt=\"Biodiversit\u00e4t-Sandra Dullau\" width=\"150\" height=\"150\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-867\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Sandra Dullau<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr Dr. Katrin Henning (MULE) sollten \u00d6kosystemdienstleistungen nicht untersch\u00e4tzt werden (bspw. Luftfilter, Best\u00e4uberleistungen, etc.), auch wenn \u00d6kosysteme ein Wert \u201ean sich\u201c darstellten. Der Biodiversit\u00e4tsverlust in Sachsen-Anhalt ist hoch, begr\u00fcndet durch Klimawandel, Intensivierung der Landwirtschaft, D\u00fcngemittel und Pestizideintrag sowie invasive Arten, wie Dr. Henning erl\u00e4uterte. Besonders bedroht w\u00e4ren Vogelarten der Agrarlandschaft. Die Biodiversit\u00e4tsstrategie des Landes richtet sich an alle Ministerien und Verwaltungsebenen. Sie enth\u00e4lt 214 Ziele, die mit Indikatoren unterlegt sind. Zur Umsetzung dient der Aktionsplan Biologische Vielfalt in Sachsen-Anhalt (seit 2013). Derzeit erfolgt eine Fortschreibung der Strategie mit Verb\u00e4ndebeteiligung.<\/p>\n<p>Als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Stiftung Kulturlandschaft, gegr\u00fcndet vom Landesbauernverband und den Kreisbauernverb\u00e4nden f\u00fcr den Erhalt der Kulturlandschaft, erl\u00e4uterte Dr. Jens Birger verschiedene Projekte zur Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderung: das Modellprojekt Kooperativer Naturschutz in der Landwirtschaft (holl\u00e4ndisches Modell) sowie das Modellprojekt zur Verbesserung der Situation von Ackerwildkr\u00e4utern in Sachsen-Anhalt. Die Stiftung sieht sich als Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Naturschutzverb\u00e4nden. W\u00fcnschen w\u00fcrde er sich:<\/p>\n<ul>\n<li>einfache, unb\u00fcrokratische Agrarumwelt- und Klimama\u00dfnahmen (AUKM),<\/li>\n<li>eine sichere Verankerung von Produktionsintegrierten Kompensationsma\u00dfnahmen (PIK) in der Eingriffsregelung,<\/li>\n<li>die Anerkennung der Extensivierung von Fl\u00e4chen als PIK-Ma\u00dfnahmen,<\/li>\n<li>fr\u00fcher Kontakt zu den Eingreifern, um rechtzeitig naturschutzfachlich sinnvolle Ma\u00dfnahmen planen zu k\u00f6nnen<\/li>\n<li>eine institutionelle Sicherung<\/li>\n<li>eine \u00dcberarbeitung der Bewertung der Biotoptypen im Rahmen der Eingriffsregelung<\/li>\n<li>sowie der Forcierung der Verwendung bestehender \u00d6kokonten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als wesentlicher Akteur bei landwirtschaftlichen Produkten wird in der \u00f6ffentlichen Diskussion der Handel gesehen (siehe z.B. Demonstrationen von Landwirten vor Lidl). Es wurden mehrere regionale Handelsvertreter angefragt, die jedoch zu diesem Thema nicht aussagef\u00e4hig waren und an die Zentralen verwiesen hatten. Wie Dr. K\u00fchling von der IHK Halle-Dessau darlegte, g\u00e4be es nichtsdestotrotz bereits eine Vielfalt von Initiativen in diesem Bereich: WWF-Partnerschaften, PANAO-Initative, Vermarktung regionaler Produkte, Nachhaltigkeitsberichte, etc.. Ebenso seien Alternativen zur Direktvermarktung entstanden (z.B. Solidarische Landwirtschaft, Crowdfarming), sowie\u00a0 nachhaltiger Einkauf durch Kantinen und Cateringanbieter (Klimateller-App, NearBuy, regionales Beispiel: Apfelpunkt GmbH), bis hin zur F\u00f6rderung regionaler Lebensmittelkreisl\u00e4ufe (B\u00fcrgeraktien der Regionalwert AG, bspw. in Freiburg oder Berlin), Verbraucherinitiativen (\u201eDu bist hier der Chef\u201c e.V.) und neuen Lebensmittelherstellern mit Fokus auf Transparenz und Nachhaltigkeit (FollowFish bzw. FollowFood).<\/p>\n<p>In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurde die Ausweitung von Zertifikaten und Labeln f\u00fcr biodiversit\u00e4tsf\u00f6rdernde Produkte recht schnell verworfen, auch wenn solch eine Information f\u00fcr den Verbraucher w\u00fcnschenswert w\u00e4re und der Herstellungsprozess transparent gemacht werden m\u00fcsste. Dies w\u00fcrde jedoch zu einem h\u00f6heren Kostenaufwand f\u00fchren, woran sich die Frage einer Beweislastumkehr anschloss. Das w\u00fcrde einen kompletten Systemwandel beinhalten und wurde kontrovers andiskutiert. Demgegen\u00fcber wird der Direktvermarktung eine gro\u00dfe Bedeutung zugesprochen, allerdings w\u00e4re eine Professionalisierung notwendig. Hiermit k\u00f6nnte man gegen\u00fcber dem Verbraucher seine Bewirtschaftungsweise abseits teurer Zertifikate sichtbar machen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_869\" aria-describedby=\"caption-attachment-869\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-869 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/nachhaltig-wirtschaften-mitteldeutschland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/1-364-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-869\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Sandra Dullau<\/figcaption><\/figure>\n<p>Schlie\u00dflich ging es darum, dass f\u00fcr den Schutz der Biodiversit\u00e4t Biolandwirtschaft und Naturschutzgebiete nicht ausreichten, auch Gemeindefl\u00e4chen und nichtbewirtschaftete Fl\u00e4chen m\u00fcssten inbegriffen sein sowie die Vernetzung von \u00d6kosystemen. Es k\u00f6nne nicht nur auf Kosten ehrenamtlicher Akteure gehen, diese zu pflegen. Hier w\u00e4re ebenfalls eine Intensivierung und Vereinfachung der F\u00f6rderung f\u00fcr die Pflege zur Biodiversit\u00e4tssteigerung w\u00fcnschenswert. Abschlie\u00dfend wurde f\u00fcr einen notwendigen Systemwandel argumentiert. Lebensmittelhersteller, Handel und Verbraucher sowie Gemeinden m\u00fcssen in den Gestaltungsprozess einbezogen werden.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Der Workshop war ein gelungener Auftakt mit Akteuren aus verschiedenen Bereichen, die ihr Fachwissen aus ihren jeweiligen Standpunkten heraus aktiv einbrachten. Vielf\u00e4ltige Faktoren, die f\u00fcr den Schutz und die F\u00f6rderung der Biodiversit\u00e4t eine Rolle spielen, wurden aufgezeigt. Die Diskussion zeigte, wie hoch der Bedarf am Austausch zu verschiedenen L\u00f6sungsans\u00e4tzen ist \u2013 und zwar zwischen den verschiedenen Akteursgruppen. Dieser Ansatz, Ma\u00dfnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und bewerten zu k\u00f6nnen und gemeinsam nach akzeptablen L\u00f6sungen zu suchen, soll in den n\u00e4chsten Workshops fortgesetzt werden. Aufgeworfene Themen waren z.B.: Professionalisierung der Direktvermarktung, Transparenz in der Herstellung und Aufstellung von Biodiversit\u00e4tskriterien, Biodiversit\u00e4tsma\u00dfnahmen und deren Finanzierung auf Gemeindefl\u00e4chen und im urbanen Raum, Unterst\u00fctzung der Landwirte f\u00fcr eine nachhaltige Landwirtschaft.<\/p>\n<p><strong>Ausblick:<\/strong> Im Juni sowie in der zweiten Jahresh\u00e4lfte sollen weitere, dann themenspezifische Workshops organisiert werden. Wir laden Sie rechtzeitig dazu ein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Biodiversit\u00e4t ist eine wichtige Grundlage f\u00fcr stabile \u00d6kosysteme und deren lebenswichtigen Dienstleistungen. 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